Fünfte Minute, erster Schlag: Kylian Tubio bringt Thionville nach einem durchwachsenen Saarbrücker Beginn in Führung. Eine Woche vor dem Ligastart ist das kein Detail. Wer gegen Rot-Weiss Essen ähnlich schläfrig in die Partie kommt, jagt sofort einem Spiel hinterher, das deutlich giftiger und schneller werden dürfte als diese Generalprobe.
Der FCS fand danach besser hinein, produzierte bei elf gegen elf aber zu wenig wirklich Zwingendes. Christian Kühlwetter prüfte den Torwart per Kopf. Der Ausgleich fiel erst, nachdem Thionvilles Keeper Kai Brünker beim Kopfball foulte: Kühlwetter verwandelte den Elfmeter in der 39. Minute. Das war verdient, aber spielerisch noch kein Befreiungsschlag.
Vier Minuten später flog Samed Killic nach einem rüden Foul an Florian Pick vom Platz. Spätestens damit änderte sich die Aufgabe vollständig. Der FCS hatte eine komplette Halbzeit Überzahl und musste zeigen, ob er einen tiefen Gegner auseinanderziehen kann. Pick, Nankishi und später Vasiliadis kamen zu Abschlüssen. Der Ball wollte trotzdem nicht rein – und manches blieb zu langsam, zu berechenbar, zu brav.
Erst in der 90. Minute köpfte Alexander Staff das 2:1. Genau dafür steht ein Mittelstürmer: im Strafraum bleiben, die letzte Hereingabe angreifen, das dreckige Tor erzwingen. Staff hat damit ein Argument geliefert. Brünker war zuvor am Elfmeter beteiligt. Die Konkurrenz im Zentrum ist real – und sie muss schärfer machen, nicht unruhiger.
Die Grundordnung war erneut klar als 4-2-3-1 zu lesen: Sontheimer und Shuaib vor der Viererkette, Nankishi und Pick außen, Kühlwetter hinter Brünker. Diese Rollen passen zum Kader. Das Problem lag nicht im Systemnamen, sondern in Tempo und Präzision. Gegen einen dezimierten Gegner fehlten zu lange schnelle Seitenwechsel, Läufe hinter die letzte Linie und eine konsequente Besetzung des Rückraums.
Unterm Strich steht eine ungeschlagene Vorbereitung mit vier Siegen und drei Remis. Das schafft Ruhe, aber noch keine Aufstiegsreife. Positiv sind Moral, Konkurrenz im Angriff und die Fähigkeit, ein zähes Spiel noch zu ziehen. Negativ bleiben der verschlafene Beginn und die magere Ausbeute aus langer Überzahl. Gegen Essen muss der FCS früher brennen – sonst brennt nur der Park.